Der Tod kennt keinen Aufschub – Deine Verantwortung beginnt jetzt
Der Tod betrifft uns alle – früher oder später. Aber wie wir mit dem Tod unserer Angehörigen umgehen, wie wir Abschied nehmen, bestatten und erinnern, ist Ausdruck von Würde, Menschlichkeit und gesellschaftlicher Zugehörigkeit. In Bonn – unserer Stadt, unserem Zuhause – kämpfen viele Menschen seit Jahren um ein grundlegendes Recht: eine würdevolle muslimische Bestattung.
Dieser Kampf ist kein Verwaltungsdetail und keine rein politische Debatte. Es geht um Sichtbarkeit, Gleichbehandlung und Respekt. Seit 2021 engagieren sich zwölf Bonner Moscheegemeinden – unterstützt von DiverCity Bonn und vertreten durch Moussa Acharki und Jakob Hackenberg – für die Einrichtung einer Bestattungsfläche am Nordfriedhof. Doch trotz aller Bemühungen: Es gibt bis heute keine Lösung. Stattdessen wird vertröstet, verschoben und blockiert.
In diesem Artikel bekommst du einen Überblick über den bisherigen Verlauf, eine Analyse der politischen Lage – und einen klaren Aufruf zum Handeln: für unsere Rechte, für unsere Verstorbenen und für die Zukunft in dieser Stadt.
Ein jahrelanger Kampf: Von Ignoranz zu Bewegung
2016–2020: Beschlüsse ohne Wirkung
Bereits 2016 beschloss der Bonner Stadtrat, die Erweiterungsfläche am Nordfriedhof auch für mögliche Friedhofsnutzung zu prüfen. Doch passiert ist jahrelang nichts. Ein externes Gutachten empfahl stattdessen Wohnungsbau – das Thema schien damit für Politik und Verwaltung erledigt. Muslimische Perspektiven wurden schlicht ignoriert.
2021: Die Community wird aktiv
2021 wurde zum Wendepunkt: Zwölf Moscheegemeinden in Bonn schlossen sich zusammen, um gemeinsam eine Bestattungsfläche einzufordern. Mit DiverCity Bonn wurde ein Antrag im Integrationsrat gestellt. Die Antwort? Ein Prüfauftrag – und das Versprechen, im Dialog zu bleiben. Doch danach: wieder Funkstille.
Drei Jahre Stillstand – dann öffentlicher Druck
2021–2024: Verwaltungsstille trotz Antrag
Drei Jahre lang geschah nichts. Erst im September 2024 kam Bewegung in die Sache – allerdings ohne Einbindung der Antragsteller. Die Verwaltung empfahl erneut Wohnungsbau auf dem Gelände. Die Community reagierte mit öffentlichem Protest, Medienarbeit und Mobilisierung. Der politische Rückzug war ein erster Erfolg – erkämpft durch Zusammenhalt und Engagement.
2024: Kompromissversuch gescheitert
Als Reaktion bot die Stadt drei alternative Flächen an: Heiderhof, Roleber und Dransdorf. Die Gemeinden begrüßten den Fortschritt, machten aber klar: Ein zentraler Ort am Nordfriedhof bleibt notwendig. In der Al-Muhajirin-Moschee wurde ein Kompromiss vorgeschlagen: Ein Drittel der Fläche für muslimische Bestattungen. Doch auch dieser Vorschlag scheiterte – alle Fraktionen zogen ihre Zustimmung zurück.
Neuer Anlauf, alte Blockade
Dezember 2024: Noch ein Prüfauftrag
Ein Antrag von CDU und Grünen versprach neue Grabfelder – aber nicht am Nordfriedhof. Dort sollte „der Bedarf erneut geprüft“ werden. Bis Juni 2025 geschah auch das nicht. Für viele Beteiligte war klar: Hier geht es nicht um Planung, sondern um Verhinderung.
Mai–Juni 2025: Neue Initiative, erster Beschluss
Im Mai 2025 stellten Moussa Acharki und Jakob Hackenberg erneut einen Antrag im Integrationsrat: Ein Drittel der Fläche am Nordfriedhof soll reserviert werden. Die SPD brachte einen neuen Prüfauftrag ein – der öffentlich kritisiert wurde. Am Ende entstand ein gemeinsamer Änderungsantrag, der die Einbindung der Moscheegemeinden verbindlich festlegt. Am 3. Juni 2025 wurde dieser Antrag mit knapper Mehrheit angenommen.
Analyse: Politische Hinhaltetaktik?
Die Verwaltung hat seit Dezember 2024 keine Ergebnisse geliefert. Für viele in der Community wirkt das wie eine bewusste Verzögerung – vielleicht in der Hoffnung, dass das Thema nach der Kommunalwahl im September 2025 wieder verschwindet.
Doch der Druck wächst. Die Moscheegemeinden kündigen an, eine eigene Bedarfsanalyse durchzuführen. Sie fordern die Oberbürgermeisterin Katja Dörner klar zum Handeln auf. Es geht um Gleichbehandlung – nicht um Gefälligkeiten.
Selbstvertretung statt Vertröstung: Die neue Wählergemeinschaft
Aus dieser Erfahrung politischer Ausgrenzung ist etwas Neues entstanden: Die Bonner Moscheegemeinden haben eine gemeinsame Wählergemeinschaft gegründet. Es geht nicht um Macht oder Show – sondern um echte politische Teilhabe. Am 14. September 2025 tritt sie zur Kommunalwahl an. Damit Interessen nicht länger überhört, sondern mitgestaltet werden.
Du kannst etwas verändern – jetzt
Dieser Einsatz für eine zentrale Bestattungsfläche ist mehr als ein Streit um Fläche. Es geht um Sichtbarkeit. Um Teilhabe. Um das Recht, auch im Tod respektiert zu werden.
Unsere Eltern, Großeltern – und auch unsere Kinder – verdienen einen würdigen Ort, um in dieser Stadt beigesetzt zu werden. Ohne politische Spielchen. Ohne Umwege. Ohne immer neue Ausreden.
Jetzt ist es Zeit zu handeln:
Was du tun kannst:
- Informier dich. Sprich mit anderen über das Thema – in deiner Familie, deiner Gemeinde, deinem Freundeskreis.
- Organisier dich. Unterstütze die Wählergemeinschaft mit Ideen, Zeit oder Ressourcen.
- Geh wählen. Am 14. September 2025 zählt deine Stimme – mehr denn je.
- Sei sichtbar. Zeig Präsenz – bei Veranstaltungen, online und im Alltag.
- Fordere Respekt ein. Von Verwaltung, Politik und Öffentlichkeit.
Gemeinsam können wir etwas bewegen. Für eine Stadt, die wirklich allen gehört.